Nach dem 29:34 (12:16) flossen reichlich Tränen in der Buschenburg. Freudentränen beim BSV Sachsen Zwickau, der sich mit diesem kaum erwarteten Sieg vor dem Abstieg gerettet hatte, und beim, was seine Wurfausbeute anging, abermals enttäuschenden TV Beyeröhde, weil nach den 60 Spielminuten für viele die Stunde des Abschieds aus der familiären Atmosphäre in Langerfeld schlug.

Im Spiel bewiesen die Sächsinnen, dass sie die vergebenen “Matchbälle“ gegen die Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg, Herrenberg und Haunstetten, gut verkraftet hatten. Sie gerieten nur beim 1:0 für den TVB einmal in Rückstand und führten dank des größeren Siegeswillens beim Kampf ums sportliche Überleben mehrfach mit bis zu sechs Toren. Vehement packten sie in der Abwehr zu und zeigten vor allem durch ihre Regisseurin Josephine Hessel (10) und Silvia Sajbidor (6) oder ihre Rechtsaußen Fabienne Kracht (5) erheblich größere Treffsicherheit gegen die stark haltende Dana Centini, die den größten Teil des Spiels bestritt.
Dass der TV Beyeröhde nach der Niederlage beim Schlusslicht TuS Lintfort zwar nicht schlecht spielte, aber reihenweise beste Chancen ausließ, zeigt schon, dass von sechs Siebenmetern leidlich zwei verwandelt wurden. Tröstlich stimmt nur die Tatsache, dass sich sämtliche Feldspielerinnen, davon die scheidende Sandra Münch und Melina Fabisch je fünfmal, in die Torschützenliste eintrugen. „Wir haben eine ansprechende Leistung geboten, aber es wieder mal versäumt, uns für gute Kombinationen zu belohnen“, kritisierte Trainerin Sabine Nückel, die in der kommenden Saison auf eigenen Wunsch nur noch Co-Trainerin sein wird.

Da machte sich natürlich auch das Fehlen von Ramona Ruthenbeck bemerkbar, die bei der stilvollen anschließenden Feier zum Saisonabschluss von den beiden Hallensprechern Eckie und Artur zum „Stern der Saison“ gekürt wurde. Die Ex-Leverkusenerin hat sicherlich wesentlichen Anteil am beachtlichen fünften Platz des TVB in seiner dritten Zweitliga-Saison. In der vorigen Spielzeit war man noch Siebter geworden. Mit Leonie Heinrichs, Laura Sosnierz, Carolin Stallmann, Jennifer Jörgens und vor allem Sandra Münch verlassen fünf Spielerinnen den Verein, und zusammen mit der Mannschaft hatten Eckie und Artur Fotos mit Spielszenen der Ausscheidenden und deren besonderen Eigenschaften auf eine große Leinwand gebannt.
Tränen flossen, als Kapitän Mandy Münch ihre Zwillingsschwester Sandra verabschiedete, die auch menschlich eine große Lücke hinterlässt. Unter großem Beifall wurden auch die Verdienste der von Meike Neitsch gewürdigt, die zum Jahreswechsel unter wenig erfreulichen Umständen ausgeschieden war, die aber die Mannschaft vor drei Jahren in die zweite Bundesliga geführt hatte. Norbert Koch, der Vorsitzende des TVB, und Abteilungsleiter Stefan Müller überreichten Blumen und Geschenke auch an die ebenfalls scheidenden Hallensprecher zum Abschluss der stimmungsvollen Abschiedsfeier, der viele Zuschauer einen würdigen Rahmen gaben. Da geriet die Niederlage gegen den BSV Zwickau nur noch zur Randnotiz.

Friedemann Bräuer (Westdeutsche Zeitung)