Der 14. Januar 2017 wird Marieke Köhler sicherlich im Gedächtnis haften bleiben. Beim Heimspiel gegen den TuS Lintfort landete die 29-jährige TVB-Shooterin nach einem Sprungwurfversuch unglücklich auf dem Hallenboden der Buschenburg und bereits kurze Zeit später war klar, dass es „Mieke“ diesmal wohl ernster erwischt hatte.

Diagnose: „Kreuzbandriss“ – für viele Sportler in diesem Alter ein Grund, über die Fortführung der Karriere nachzudenken. Und auch bei Marieke Köhler saß der Schock zunächst tief, doch bereits nach kurzer Zeit entschied sie sich für ’s Weitermachen! Mittlerweile ist die sympathische Dortmunderin wieder im Aufbautraining und hofft auf ein rasches Comeback. Frank „Eckie“ Eckhoff hat Marieke Köhler zu ihrer Verletzung, ihrem Comeback und dem neuen TVB befragt…. 

• Hi Mieke, wie geht’s dir allgemein, was macht dein Knie, wann kannst du wieder ins Training einsteigen oder gibt es noch Einschränkungen?

Die OP ist am 1. August ja genau fünf Monate her. In der Regel braucht man ja sechs bis neun Monate. Dafür bin ich schon sehr weit, ich kann natürlich noch nicht voll mitmachen. Ich habe einen wirklich tollen Physiotherapeuten, ohne den wäre ich glaube ich längst nicht soweit. Man darf sich nicht in Watte packen und packen lassen. Mir fehlt am linken Bein noch ein wenig Muskulatur und das braucht seine Zeit. Die handballspezifischen Bewegungen, vor allem unter Körperkontakt stehen bald an. Da muss ich mich in der Halle herantasten.

 

Was ging dir nach der Diagnose durch den Kopf und du wusstest, dass es eine längere Auszeit geben wird? Denkt man nach mehreren Verletzungen nicht auch schon mal an das Aufhören? 

Man kennt seinen Körper und das hat sich diesmal schon anders angefühlt. Ich hatte ja noch nicht so eine Verletzung in diesem Ausmaß. Die Worte vom Doc nach dem MRT „Kreuzbandriss“ waren ein Schock und ich war in erster Linie einfach traurig. Aber so aufzuhören war für mich nie eine Option. Ich habe immer gesagt: Diese Verletzung hast du dir als Handballspielerin geholt und als Handballerin möchte ich auch in die Reha gehen. Außerdem kribbelt es immer noch. Ich habe noch zu viel Spaß am Handball und es gehört für mich gerade einfach noch zu meinem Leben dazu.  Man kann nie wissen, wie sich die Dinge noch entwickeln. Aber jetzt aufhören, auf keinen Fall.

 

• Wie schwer ist es, zuzugucken und wie fühlt es sich an, wenn es wieder losgeht?

Während dem Spiel fiebere ich natürlich mit und habe einfach nur Lust mir das Trikot anzuziehen und mitzuspielen. Wenn man dann wieder einen Ball in die Hand nimmt und die Übungen handballspezifischer werden, kriegt man einfach noch mehr Bock. Das macht dann richtig Spaß und man ist ganz euphorisch. Man macht das dann Schritt für Schritt und freut sich über jeden Fortschritt. Das ist aber sehr harte Arbeit!

 

Wie war für dich der Verlauf der letzten Saison von außen betrachtet, und was erwartest du von der neuen Saison?

Wir haben den Start ein wenig verschlafen und nicht unser ganzes Potential und die Stärken abgerufen. In der Rückrunde, als ich dann leider mehr Zuschauer war, war das schon eine Mega- Leistung. Die Mannschaft hat viele Verletzungen, kurzfristige sowie langfristige Ausfälle verkraften können. Das zeugt schon von einem eingespielten Team mit einer guten Moral. Ich denke die neue Saison wird sehr spannend. Wir haben einen neuen Trainer, vier gute Neuverpflichtungen. Da hat sich einiges verändert. Das werden wir positiv ausnutzen! 

 

• Wie beurteilst du die Neuzugänge? Der Konkurrenzkampf ist angekurbelt?

Alle vier sind nette Mädels und ja auch für die meisten keine unbekannten Gesichter. Einige haben schon zusammen gespielt. Ich glaube, dass wir da einen ganz guten Fang gemacht haben. Klar, neue Spielerinnen kurbeln den Konkurrenzkampf immer etwas an, weil sich alte Strukturen ändern. Das wird aber allen gut tun und das ist einfach so im Handballsport. 

 

• Welchen Eindruck hast du von deinem neuen Trainer?

Es ist ja alles noch ganz frisch, bin ja auch noch nicht jede Einheit dabei. Martin ist sehr strukturiert und äußerst seine Vorstellungen einer Spielkultur deutlich. Außerdem legt er Wert auf ein Miteinander auch abseits des Feldes durch z.B. das Organisieren von Teambuilding-Maßnahmen.

 

• Du spielst schon sehr lange Handball, hast viele Vereine durchlaufen. Wie unterschiedlich waren und sind deine bisherigen Vereine?

Für mein Alter waren es gar nicht so viele. Ich habe in einem großartigen Dorfverein mit sechs das Handballspielen begonnen, bin dann mit 15 von Borussia Dortmund geholt worden. Da wurde ich, wenn man so will, ausgebildet bis zu meinem 21 Lebensjahr. Seinerzeit hatte ich schon ein kurzfristiges Zweitspielrecht beim TV Beyeröhde. Dann war da noch ein Jahr in Greven, habe studiert und gearbeitet. Das war eine ziemliche Fahrerei und sehr stressig. Zurück zum TV Beyeröhde und ein Jahr Auszeit in Australien. Neun Monate in Solingen und dann wieder zurück zum TVB. Das war‘s. Der TVB ist ein sehr familiärer Verein. Man kennt die Menschen um sich herum und merkt, dass da viel Herzblut mitspielt. Das schätze ich sehr!