Wenn man 81 Sekunden vor Schluss noch mit zwei Toren zurück liegt, dann ist ein Unentschieden, wie das 25:25 sicherlich ein Erfolg. Der wird aber relativiert, wenn man weiß, dass der Zweitliga-Aufsteiger TV Beyeröhde beim FSV Mainz 05 zeitweise mit sieben Treffern geführt und zur Pause noch mit 14:10 vorne gelegen hat. Deshalb wusste man bei Mannschaft und Fans nicht, ob man einen gewonnenen Punkt bejubeln oder sich über einen verpassten Sieg ärgern sollte.

Über eins ärgerte sich Trainerin Meike Neitsch auf jeden Fall: „Unglaublich, was wir an Chancen verballert haben. Ich habe meinen Spielerinnen eingeschärft, bei der kleinen Mainzer Torhüterin nur hoch zu werfen. Und was wird gemacht? Ständig flach geworfen“, meinte die Trainerin aufgebracht. Ein weiterer Anlass zur Kritik waren die Schiedsrichter, die acht Siebenmeter (von Claudia Schückler alle verwandelt) gegen, aber nur drei für Beyeröhde pfiffen. Was jedoch nicht auf überharte Spielweise, sondern auf „Abwehr durch den Kreis“ zurückzuführen war. „Das wurde auf der Gegenseite jeweils großzügig übersehen“, so Meike Neitsch, die jedoch den Kampfgeist ihres Teams lobte.

Zwar fiel der erste Treffer des Spiels erst nach sieben Minuten, doch dann ging es Schlag auf Schlag. Mit Tempohandball wurde der Gegner sehr schnell in eigener Halle an die Wand gespielt und der Vorsprung beim 13:6 durch Sandra Münch sogar bis auf sieben Tore ausgedehnt. Erst beim 18:18, als die Mainzer Keeperin mit reihenweise Flachschüssen „erfreut“ wurde und die Mädels aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt ihrerseits eine erfolgreiche Aufholjagd gestartet hatten, gab es den ersten Ausgleich, dem in der Schlussviertelstunde meist ein Zwei-Tore-Vorsprung der Mainzerinnen folgte. Als Mandy Münch dann noch mit einem Siebenmeter scheiterte, sah es zappenduster aus. Doch dann hatten Schwester Sandra bei einem Siebenmeter und Carolin Stallmann ihre Nerven im Griff und sorgten noch für das Unentschieden. Schock in der Schlussminute: die bislang gänzlich unbescholtene Inga Lehnhoff leistete sich ein „taktisches Foul“ ,wurde disqualifiziert und muss nun beim nächsten Heimspiel gegen das Spitzenteam aus Zwickau zusehen.

 

Friedemann Bräuer (Westdeutsche Zeitung)

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