Die Fans auf den Rängen konnten es nicht fassen: War das die Mannschaft, die in der vorigen Woche in Dortmund 20:34 untergegangen war?

Tatsächlich: es war der TV Beyeröhde, der da den Tabellenführer der 2. Bundesliga, die Neckarsulmer Sport-Union, mit 38:33 (19:14) besiegt, und sich dabei keins seiner berüchtigten „schwachen Viertelstündchen“ geleistet hatte. Und der Fünf-Tore-Vorsprung gestaltete das Ergebnis sogar noch recht gnädig, denn zeitweise hatten die Schützlinge von Trainerin Meike Neitsch mit zehn Treffern vorne gelegen.
Dabei hatte die Gäste zu Anfang ein Tempo vorgelegt, das selbst den Beyeröhder Hochgeschwindigkeits-Handball in den Schatten stellte, und vornehmlich bei von der anfangs vorzüglichen Torhüterin Celia Schneider eingeleiteten Gegenstößen die TVB Deckung überlaufen. Ein Glück für Beyeröhde, dass in prekären Situationen Torhüterin Bernadett Steller ihr Team mit verblüffenden Reaktionen im Spiel hielt und auch später mit drei bravourös parierten Siebenmetern den Grundstein zum deutlichen Sieg gelegt hatte.
Allerdings klappte es im Laufe des Spiels immer besser bei den Gastgeberinnen, bei denen Marieke Köhler zum dritten mal in dieser Saison zehn mal ins Schwarze getroffen und die offene Deckung durch die körperlich unterlegene Luisa Gerber schlicht ignoriert hatte. Aber nahezu alle präsentierten sich in Hochform, wobei Sabine Nückel am Kreis ebenso durch raffinierte Würfe auffiel, wie die listige Michelle Stefes oder Mandy Münch, die wie ihre Zwillingsschwester Sandra (verwandelte alle Siebenmeter) sechsmal in der Torschützenliste zu finden war.
Erstmals rund eine Hälfte dabei: das Leverkusener Jung-Talent Johanna Heldmann (19), die erst zweimal mit der Mannschaft trainiert hatte, aber mit ihrer linken Wurfhand vier erfolgreiche „Hammer-Würfe“ losließ. „Dass sie sich nach nur zwei Trainingseinheiten so gut in die Kombinationen eingefügt hat, überrascht mich“, so die hoch erfreute Meike Neitsch, die starke und schwache Leistungen von Neckarsulm auf Video gesehen hatte und wusste, dass und wie der Tabellenführer zu schlagen ist.

 

Friedemann Bräuer (Westdeutsche Zeitung)

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