Mit 27:37 (12:22) kam der TV Beyeröhde am Samstagabend in der Buschenburg gegen Union Halle-Neustadt böse unter die Räder und dürfte auch an der Höhe der Niederlage nichts auszusetzen haben. „Es war, als hätten wir das Handball spielen verlernt“, schimpfte Trainerin Meike Neitsch und wies darauf hin: „Wenn man das Spiel verfolgt hat, konnte man sich nicht vorstellen, das Halle eine vierstündige Busfahrt in den Knochen hatte.“

In der Tat waren die pfiffigen Mädels aus Sachsen zwar in der ersten Minute durch Marieke Köhler (mit 10 Treffern übrigens die beste Schützin des Abends) in Rückstand geraten. Doch den glichen sie nur Sekunden später aus und waren von da an eindeutige Herrinnen des Geschehens.
Hellwach hatten sie bei jeder Balleroberung die Nase vorn, spielten sich mit blitzschnellen Kombinationen regelrecht in eine Rausch und schafften es immer wieder Kreisläuferin Stefanie Hummels ins Szene zu setzten. Und die ließ der bedauernswerten Dana Centini nie eine Chance, ebenso wie ihre Mitspielerinnen, die nahezu jeden Angriff mit einem Treffer abschlossen. Bei Halle klappte alles, beim TVB nichts. Das war das Fazit der ersten Hälfte, als die Beyeröhder Angreiferinnen Bälle verballerten, die rothaarige Polin Patrycja Mikszto im Union-Tore vielfach toll reagierte oder das Gebälk getroffen wurde. Dass die Abwürfe der Hallenser Torfrau zentimetergenau die nach vorne stürmende Angreiferin erreichten, trug ebenso zur sich ständig vergrößernden Tordifferenz bei wie die unhaltbaren Treffer von Rechtsaußen Elisa Möschter. Im zweiten Durchgang parierte nun Bernadett Steller einige „Unhaltbare“, doch was sollte sie machen, wenn die Gegnerinnen frei vor ihr auftauchten oder unbehelligt aus dem Rückraum werfen konnten? Zwar setzten die Beyeröhderinnen dem atemlosen Turbo-Handball der Gäste nun einiges entgegen, kamen auch mal auf sieben Treffer heran, doch dann zogen die Union-Spielerinnen wieder das Tempo an und waren einmal sogar in doppelter Unterzahl erfolgreich. Neun Strafzeiten (18 Minuten) inklusive einer Disqualifikation bekamen die Hallenserinnen zu Recht aufgebrummt, doch auch daraus konnte der hoffnungslos unterlegene TVB kein Kapital schlagen.

 

(Friedemann Bräuer, Westdeutsche Zeitung)

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