Nach dem Abpfiff richten sich alle Augen auf Sabine Nückel, die ihrerseits noch mal auf die Anzeigetafel schaute: 34:32 (18:14) stand da, was bedeutete, dass ihr Trainerinnen-Debüt beim TV Beyeröhde geglückt war. Ihr Team hatte den bisherigen Zweitliga-Fünften FSG Mainz 05/ Budenheim besiegt und war auf den sechsten Tabelleplatz vorgerückt.

„"Ich war während der gesamten Woche schon unheimlich aufgeregt“", gestand die 31jährige Nachfolgerin von Meike Neitsch (die hatte in der Weihnachtspause ihren Rücktritt erklärt. WZ berichtete), hatte sich aber einen offenbar effektiven Plan ausgedacht: Zunächst hatte sie mit Junioren-Nationalspielerin Ramona Ruthenbeck in der Spielmacherrolle und Laura Sosnierz auf Rechtsaußen zwei Veränderungen vorgenommen, aber während der höchst unterhaltsamen Partie sämtliche Feldspielerinnen ein- und ausgewechselt. Was die ihr auf unterschiedlichen Positionen jeweils mit mindestens einem Torerfolg dankten. Das führte aber auch dazu, dass sich die Mainzerinnen nie auf eine bestimmte Gegenspielerin einstellen konnten.
„"Wir haben viele Gute in unserem Kader, und ich habe ihnen vertraut"“, gestand Sabine Nückel sichtlich erleichtert. Das führte bei den bisher nur selten eingesetzten Lina Klinnert (3) und Natalie Adeberg (4) zu einer erheblichen Leistungssteigerung, für die es bei Adeberg jedoch noch eine besondere Motivation gab: Sie spielte, zeitweise sogar hautnah,– gegen ihre jüngere Schwester Selina, die mit fünf Treffern jedoch trotz der Niederlage einen persönlichen Erfolg verbuchen konnte. Beide haben übrigens früher gemeinsam das Mainzer Trikot getragen. Trotz der 34 Tore haperte es einmal mehr mit der Chancenauswertung. Das lag zum einen an den bravourösen Paraden von 05-Torhüterin Kristin Schäfer, zum anderen aber auch daran, dass die Beyeröhderinnen mit der Treffsicherheit von Darts-Spielern Latte und Pfosten anvisierten: Alle drei Siebenmeter landeten an der Torbegrenzung, und Marieke Köhler hatte nach eigenem Angaben sechs mal die Querlatte im Winkelbereich getroffen. Und ein weiteres Phänomen wurde aus der Neitsch-Ära übernommen: Nach 25:19 Führung zur Mitte der zweiten Hälfte hieß es nach eigenen Aluminium-Treffern und Schnitzern in der Abwehr plötzlich 27:28. Doch die Mannschaft fing sich wieder, packte in der Deckung kräftig zu, kämpfte mit allen eingesetzten Spielerinnen aufopfernd und wendete das Blatt auch dank guter Torwartparaden wieder zu eigenen Gunsten. "In der Deckung war Beyeröhde besser als wir und hat deshalb auch verdient gewonnen“", anerkannte Mainz-Trainer Thomas Zeitz den fünften Beyeröhder Sieg in Folge.

Friedemann Bräuer (Westdeutsche Zeitung)

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