Die 17:33 (11:18)-Niederlage des TVB Wuppertal beim BSV Sachsen Zwickau war am Ende wohl auch in der Höhe verdient. Doch nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Auftritt der beiden Teams am Samstag bekräftigte die jeweils aktuellen Tabellenplätze in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen. Während die Wuppertaler Handballgirls nach 30 Minuten durchaus mit etwas knapperem Rückstand als 11:18 in die Pause hätten gehen können, gelangen der Mannschaft von Trainer Dominik Schlechter im zweiten Durchgang lediglich sechs Treffer.

Dem 30-jährigen Cheftrainer fehlten besonders im Rückraum die Alternativen. Dennoch stellte sich Schlechter vor seine Mannschaft. „Das war heute keine Sache des Willens. Zwickaus Spielstärke hat eben bestätigt, warum sie um den Aufstieg in die Bundesliga spielen“, sagte der Bochumer, der eingestand, dass Zwickau mit dem ehemaligen Handballgirl Pia Adams nicht die Kragenweite seiner Mannschaft sei.

Alleine die Rahmenbedingungen beider Teams sind nicht vergleichbar. „Zwickau hat gezeigt, warum sie eine Top-Mannschaft sind. Sie konnten jede Position wechseln wie sie wollten, es war überhaupt kein Leistungsabfall zu erkennen“, stellte auch Beyeröhdes verletzte Co-Kapitänin Michelle Stefes den Gastgeberinnen ein gutes Zeugnis aus. „Das war keines der Spiel, das wir gewinnen müssen. Die kommen noch. Bis dahin müssen wir solche Spiele als gute Einheiten nutzen, damit wir sehen, was klappt und was nicht“, sagt die so vermisste Allrounderin.

Die Wuppertalerinnen traten nicht nur bis zum 3:3 (9.) mutig auf. Auch danach zeigten Leonie Schmitz und ihre Nebenleute gute Ansätze, scheiterten aber – wie so oft in dieser Spielzeit – am „Torgebälk“  oder an der Torhüterin.  Nur Nika Matavs  scheint die sportliche und finanzielle Krise mehr zu belasten als es allen im TVB-Lager lieb ist. Hatte sich die junge Slowenin vor und nach dem Winter gerade akklimatisiert und war in der Scorerliste unter die Top-20 geklettert, gelingt ihr seit dem Bremen-Spiel immer weniger. In Zwickau blieb sie ein Schatten ihrer selbst. „Ich mache der Mannschaft keine Vorwürfe. Schon gar nicht einzelnen Spielerinnen. Natürlich würden wir bei allen gegen so einen Gegner genug Fehler entdecken“, sagte Schlechter, stellte sich aber schützend vor seine Spielerinnen. Der junge Coach ist sicher, dass er gemeinsam mit seinem Team die Lehren aus den Fehlern ziehen und die sportlichen Ziele für eine erfolgreiche Zukunft erreichen kann. Sicher könnten TVB-Chef Norbert Koch und seine Mitstreiter der Mannschaft mit einem positiven Signal, dass die Handballgirls in der kommenden Saison weiter Bundesligahandball spielen dürften, einen Riesen-Rucksack von den Schultern nehmen. Dann könnten sich Ramona Ruthenbeck und Co. nur noch auf den Abstiegskampf konzentrieren. Dass sie dazu in der Lage sind, haben sie immer wieder gezeigt. Der  Samstag war da kein Maßstab.

(Erdinc Özcan-Schulz - Westdeutsche Zeitung)

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